Brandis-Täter Christian K. muss drei Jahre hinter Gitter

Quelle: Roter Stern Berlin

Auch der zweite Prozess ist bereits mit einem Urteil zu Ende gegangen. Nach zwei Verhandlungstagen wurde der Brandiser NPD-Kandidat Christian K. zu drei Jahren Haft verurteilt.

Neben den Anklagepunkten vom Brandis-Spiel, die identisch zu den Anklagepunkten aus dem ersten Prozess waren, wurde K. zudem wegen versuchter Körperverletzung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Beleidigung beim Spiel FC Sachsen – Lok Leipzig am 23.08.09 angeklagt. Zweifelsfrei wieder erkannt und identifiziert wurde er einige Wochen später beim Spiel RB Leipzig – Lok Leipzig, bei dem er sich wieder in der Lok-Anhängerschaft aufhielt, an seiner auffälligen Gürteltasche einer bekannten Neonazi-Marke mit den Buttons „88“, „Good Night Left Side“, „Screwdriver“ und ob das alles noch nicht eindeutig genug sei trug er einen Button mit der Aufschrift „Nazi“. Diese Tasche trug er auch an dem Nachmittag im Oktober in Brandis.
Zu seiner Gesinnung traf der Angeklagte nur vage Aussagen. So sei seine Kandidatur „eine Wette“ gewesen und auch trotz der eindeutigen Accessoires lies er sich nicht hinreißen, sich selbst deutlich zu positionieren. Ganz schön feige, Herr K., was sagen nur Kumpels und Partei dazu??

Nach Anhörung von über 20 Zeugen kam die Staatsanwaltschaft dann zu der Überzeugung, dass sich die Vorwürfe auch in diesem Prozess bestätigt haben. Sie wurden zum Teil sogar von K. selbst eingeräumt, jedoch berief auch er sich immer wieder auf den Zufall, der ihm übel mitgespielt habe und überhaupt das Schicksal derer in den Händen zu halten scheint. Reflexion des eigenen Tatbeitrags jedenfalls lassen beide bisher verhandelten Angeklagten vermissen. Christian K. zumindest hat sich im Unterschied zu Erik K. in einer von ihm verlesenen Erklärung zu Beginn des 2. Verhandlungstages entschuldigt. Auch der Verteidiger von Christian K. behielt sich Rechtsmittel vor.

Quelle: LVZ Online

Der Brandiser Christian K. wurde am Donnerstag vom Amtsgericht Leipzig wegen vierfacher Körperverletzung, einfacher versuchter Körperverletzung sowie Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren ohne Bewährung verurteilt.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte am 24. Oktober 2009 in Brandis während eines Fußball-Bezirksklassespiels aktiv am Überfall Rechtsradikaler auf Anhänger von Roter Stern Leipzig beteiligt war. Zudem gehörte K. am 23. August 2009 zu einer Gruppe Lok-Fans, die nach dem Ortsderby über Zuschauer des FC Sachsen herfiel. Dabei griff K. einen Polizisten tätlich an.

Gleich zu Beginn der Verhandlung gab der Angeklagte eine Erklärung ab. Darin drückte K. sein Bedauern darüber aus, dass er an den Vorfällen in Brandis beteiligt war. Dies sowie die Entschuldigung am ersten Verhandlungstag gegenüber den Polizisten wertete der Staatsanwalt als Geständnis. Zudem erklärte er, dass K. diese Taten nur einräumte, weil die Beweislage durch Videos, Fotos und Zeugenaussagen so eindeutig war.

Eigenartig indes wirkte die Begründung des Angeklagten, warum der damals sechsfach Vorbestrafte im Juni 2009 als Nichtmitglied für die NPD bei den Wahlen zum Brandiser Stadtrat kandidiert hatte. Das sei aufgrund einer Bierwette in der Kneipe geschehen. Immerhin erhielt der 25-Jährige 41 Stimmen, die freilich nicht zum Einzug ins regionale Parlament reichten. In der Kleinstadt ist er als Mann mit rechtsradikaler Gesinnung und als gelegentlicher Zuschauer auf dem Sportplatz bekannt. Den Befragten vom FSV Brandis war er bisher aber nicht aufgefallen.

Dagegen trat am Donnerstag erstmals ein Zeuge auf, der den Beschuldigten bei den Ereignissen in Brandis identifizieren konnte. Roter-Stern-Anhänger Michael W. erkannte ihn als einen der Schläger wieder, die 200 Fans des linksorientierten Vereins überfallen hatten. „Ich sah ihn in der Horde. Sonst habe ich keinen erkannt. Ihn ja, vor allem an seinem Blick und der Mimik, denn er stand ja direkt vor mir“, sagte der 31-Jährige, der von einem Kantholz getroffen wurde und sich dabei Kieferprellungen und eine Fleischwunde im Mund zuzog.

Fußball-Fan W. konnte sich zudem daran erinnern, dass der Himmel mit Wurfgegenständen bepflastert schien. „Alles andere war nur Angst.“ Was andere Zeugen bestätigten. „Ich wurde von einem Rechtsradikalen mit einer Eisenstange angegriffen, konnte mich mit meinem Schlagstock verteidigen, als ich mit meinem Kollegen zwischen beiden Lagern stand“, berichtete ein Polizist aus Oschatz – einer von nur sechs Ordnungshütern an diesem Schreckenstag.

„Wir müssen präventiv wirken. Durch die Masse werden Leute wie Sie zur Gefahr“, erklärte Richterin Ute Pisecky in der Urteilsbegründung. Dass die Haftstrafe gegen den ersten Brandis-Täter, der am 9. März verurteilt worden war, offenbar nicht abschreckt, zeigte der vergangene Sonnabend. Anhänger von Roter Stern berichteten am Donnerstag, dass es in Radefeld beim Punktspiel wieder Anfeindungen gab. „Hat Euch denn Brandis nicht gereicht“, soll ein Radefelder Kicker gerufen haben. Allerdings hätten sich dessen Teamkollegen bei den Leipziger Akteuren sofort entschuldigt.