„Es gibt keine Normalität“
Erklärung zum Spiel gegen Brandis
Quelle: www.roter-stern-leipzig.de
Der Rote Stern Leipzig wird am 7.4. in Brandis zu einem Fußballspiel antreten:
- Trotz der sich verdichtenden Faktenlage in Bezug auf die Verstrickungen des Vereins nicht nur mit der Gruppierung der Angreifer, sondern mit offen neonazistisch agierenden Personen überhaupt
- Nach zwei Sportgerichtsentscheidungen, in denen dem FSV Brandis keine Mitschuld am Angriff von 50 bewaffneten Neonazis auf Anhänger_innen und Spieler des RSL nachgewiesen werden konnte
- Trotz der Traumatisierungen einiger Spieler und Fans unseres Vereins, die eben nicht mitspielen bzw. -fahren wollen
- Und auf die Gefahr hin, dass dies als Rückkehr zur Normalität bzw. gar als Akzeptanz der Zustände (nicht nur) in Brandis gewertet werden könnte:
Wir werden ein Zeichen setzen. Es ist für uns eben keine Rückkehr zur Normalität. Das Spiel an sich bleibt an diesem Tag Nebensache.
In Brandis, und nicht nur da, bleiben neonazistisch eingestellte Jugendliche mehr oder weniger unbehelligt. Das liegt auch daran, dass menschenverachtende Einstellungen eine Akzeptanz in der breiten Bevölkerung geniessen. Wo neonazistisch eingestellte Jugendliche im Alltag auch die „netten Jungs von Nebenan“ sein können, braucht es ein Ereignis wie den Angriff auf den Fußballverein Roter Stern Leipzig, dass organisierte wie unorganisierte Neonazis und deren Sympathisanten überhaupt als gewalttätige Menschenfeinde wahrgenommen werden. Deshalb ist dieser Angriff von 50 Neonazis für uns der krasse Auswuchs einer inakzeptablen Normalität – und kein plötzliches Erscheinen von „Ausserirdischen“, wie man manchmal denken könnte, wenn Verantwortliche des Vereins FSV Brandis über den Angriff sprechen.
Gegen diese Normalität hat sich der Rote Stern Leipzig gegründet. Um Leuten zu ermöglichen, in einem anderen Umfeld Fußball spielen und sehen zu können und um dieser Normalität etwas entgegen zu setzen. Seit nunmehr 10 Jahren hat der Rote Stern mit Neonazis und menschenverachtenden Ideologiefragmenten zu tun. Würden wir entscheiden, nicht gegen Neonazis Fußball zu spielen, bräuchten wir kaum noch antreten. Denn diese Normalität, menschenverachtende Ideologiefragmente, Neonazis, äußern sich auch und gerade beim Fußball.
„More than Soccer“ – unser Vereinsmotto gilt wohl an diesem Spieltag in Brandis noch mehr als sonst. Wir wollen ein politisches Zeichen setzen – Indem wir TROTZDEM spielen und damit die Kritik an diesen Zuständen und dieser Normalität verstärken; diese Kritik muß und wird hauptsächlich ausserhalb des Spielfeldes geäußert.
Nicht zuletzt wollen wir den Nazis diesen Erfolg nicht gönnen. Für uns wäre das Nicht-Spielen auch eine Kapitulation vor den Tätern.
WIR WERDEN DEN NAZIS DAS SPIELFELD NICHT ÜBERLASSEN!
Hinzufügen möchten wir, dass dieser im Plenum gefasste Beschluss nicht von allen Spielern und nicht von allen Anhänger_innen vertreten wird. Für Einige Spieler wäre das Nichtspielen das stärkere politische Zeichen. Obwohl wir also nach langer Diskussion beschlossen haben in Brandis Fußball zu spielen, werden einzelne Spieler nicht antreten. Diese persönliche Entscheidung respektieren wir voll.
Moderation: weil das Bild so passend ist, auch gleich hier nochmal:

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