Mügeln – eine Stadt wird ihrem Ruf gerecht

Es ist immer wieder das selbe: Der RSL fährt in die sächsische Provinz. Das erste was es zu sehen gibt ist ein großes Aufgebot an Polizei, dann gibts zumeist auch die ersten als Nazis erkennbare Nazis zu sehen und dann kommt mensch auf den Platz und darf sich dort von Anwohner_innen die krudeste rassistische Scheiße anhören. In der maximalen Ausprägung dieser Zustände geht dann auch kein Blatt Papier mehr, zwischen die Äußerungen der „Bürger_innen“ und denen der (erkennbaren) Nazis. So auch in Mügeln.

Zuerst bitten wir um freundliche Beachtung der Pressmitteilungen des RSL vom 24.4. und vom 25.4.

Das die Polizei immer vor Ort ist, ist leidliche Notwendigkeit, hält diese doch den feindlich gesinnten Mob aus Nazis und Anwohner_innen (das diese Trennung Quatsch ist, wurde bald deutlich) davon ab, das zu Ende zu führen was sie lautstark äußern (wie das klingt, kann mensch sich weiter unten im Text anhören).

Die Polizei

Diesmal hatten die Einsatzkräfte aber nix besseres zu tun, als die RSL Fans zu drangsalieren wo es nur ging. Nicht nur das diese permanent von mehreren Kameras der Polizei ins Visier genommen wurden, während es auf der Seite der Mügelner eine nicht endend wollende Tirade an rassistischen, homophoben und antisemitischen Drohungen gegen Fans und Spieler des RSL gab. Auch die besagte Personalienfeststellung bei RSL Fans, gestaltete sich äußerst brutal. Da wurde nicht nett nach Personalien gefragt, sondern provoziert, beleidigt und geschubst.  So gab es mehrere Einsatzkräfte die sich ziellos durch die Menge prügelten und mehrere RSL Fans verletzten. Der Einsatzleiter wurde irgendwann aus seinem Auto (wo er sich zum Zeitpunkt der Übergriffe durch seine Untergebenen aufhielt) geholt und pfiff seine Prügeltruppe zurück, mit der halbgaren Entschuldigung, das mensch verstehen müsse das viele von den Polizist_innEn „ja noch jung wären“ (O-Ton Einsatzleiter).
Fraglich ist auch die Notwendigkeit der Personalienfeststellung eines Zeugen (von der Seite der RSL Fans) bezüglich des Hitlergrußes (auf seiten der Mügeln Fans). Hier hätte alleine eine Kamera auf die Mügeln Fans gerichtet werden können und die Polizei hätte aller 10 Minuten eine Hand gen Himmel gestreckt, auf Video gehabt. Dies muss die Polizei (auch ohne Zeugenaussage) strafrechtlich sofort(!) verfolgen. Dazu sei angemerkt, das besagte Hitlergrüße aus dem Mügelner Fanblock mit Anreise der RSL Fans begannen und die Polizei sich erst nach einiger Zeit und mehreren Hinweisen durch RSL Fans genötigt sah, gerademal von einer Person von der Mügelner Seite die Personalien aufzunehmen.

Getroffene Mügelner_innen bellen

Auch die „Distanzierung“ des SV Mügeln-Ablass wirkt eher wie ein Beißreflex getroffener Hunde. Da wird sich „in höchstem Maße von dieser Gruppierung, dieser Meinung, von dieser politischen Haltung“ distanziert und erklärt das „diese Gruppierung“ in keinem Fall Fans des SV Mügeln-Ablass sind. Das der Vereinssprecher/Torwart des SV Mügeln-Ablass Rassismus und Homophobie für eine „Meinung“ hält, spricht Bände über seine „politische Haltung“. Auch darf gerne bezweifelt werden das es im Verein keine Nazis gäbe, waren doch einige Nazis in der Hinrunde mit dem Bus des Mügelner Vereins nach Dölitz (Fußballplatz des RSL) gereist und durften während des Spiels vor dem Stadion warten (da beim RSL keine Nazis auf den Platz gelassen werden) und fuhren dann mit dem Mügelner Bus wieder nach Hause. Und wenn mensch sich so anhört was da von Mügeln Fans geäußert wurde, fragt mensch sich eh warum sich die Mügelner von „Nazis, Nazis“ Rufen der RSL Fans provoziert fühlen. Wer Menschen mit Nazisprüchen bedroht, darf doch wohl getrost als das bezeichnet werden, was er/sie ist. Nämlich als Nazis!

Hier rückt zusammen was zusammen gehört

Fans und Spieler des RSL wurden dann während der gesamten Partie ohne Unterlassung von Mügelner Seite beleidigt und bedroht. Und das eben nicht nur von den Männern (siehe Bild oben) die sich extra T-Shirts angezogen hatten auf denen „Vive le Arsch“ (eine Anspielung auf den Antirassitischen Mügelner Verein „Vive le Courage“) und „Anale Aktion“ zu lesen war. Für Nazis ist Analverkehr offensichtlich ein Affront und deshalb schließen sie darauf, andere damit beleidigen/provozieren zu können. Uns ist es völlig egal wie Menschen ihre Sexualität ausleben. Uns ist es aber nicht egal, wenn Nazis sich homophob äußern und nebenstehende Menschen dies nicht laut kritisieren! Die anderen Menschen (also die die nicht via Thor Steinar o.ä. als Nazis sofort erkennbar waren) auf der Seite der Heimfans hatten damit offensichtlich kein Problem und pöbelten und drohten  fleißig mit. Nach Abbruch des Spiels rückte zusammen was zusammen gehört, und der aggressive (Mügeln-)Mob brach sich Bahn. Da war vom Stadionsprecher was von „feigen Säcken“ zu hören, Mügelner Fans beleidigten die RSL Spieler mit: „ihr Langnasen“, „ihr Drecksjuden“, „ihr Kanacken“ und vielem mehr. Und es sei nochmal darauf hingewiesen, das sich an derlei Drohungen auch Väter und Mütter und Omas und Opas und deren Enkel beteiligten. Mensch stand auf Mügelner Seite in froher Einigkeit nebeneinander und ließ dem Hass gegen Andere freien Lauf.

Dazu ein kurzer, aber sehr erhellender Audiomitschnitt aus dem Mob [o-töne mügeln] inklusive „U-Bahn Lied“ und „Frei, sozial und national“-Gesänge.

Neben dem U-Bahn Lied „von Jerusalem nach Auschwitz“, wurden dann auch Klassiker wie „ihr tragt Strapse, ihr Schwuchteln“ von Mügelnern zum besten gegeben. Eine Frau sagte, angesichts der Israel Flagge die RSL Fans auf ihrer Seite gehisst hatten, zu einem/r Vereinsoffiziellen des RSL, das „diese Juden Flagge ja schon zur Provokation aufgehängt wurde“, worauf mensch ihr antwortete das beim RSL auch jüdische Menschen spielen würden. Wie nötig eine sichtbare Solidaritätsbekundung mit dem Schutzstaat der Juden, gerade gegenüber diesem antisemitischen Mob ist, dürfte wohl klar sein. Das sich die Mügelner davon provoziert fühlen, zeigt ein ums andere mal welches Geistes Kind sie sind.

Der/die letzte_r RSL’er_in verließ dann den Platz und stieg ins Auto. Da riefen 2 Menschen, die mit dem Aufsammeln der Plastikbecher beauftragt waren, hinterher: „Laßt euch nicht mehr so schnell hier blicken, ihr Kanacken“. Ach ja, das wäre schön, nicht ständig in die national befreite Zone fahren zu müssen.

Nach dem Spiel versammelten sich dann noch einige Nazis auf dem Mügelner Marktplatz:

Nach dem Spiel kam es zu weiteren Krawallen. Nach Angaben der Polizei versammelten sich auf dem Marktplatz etwa 60 Mügelner Fußballfans. Sie rollten Plakate aus, die sich gegen den ortsansässigen Verein „Vive le Courage“ richteten. Als etwa 30 Demonstranten verfassungsfeindliche Lieder sangen, löste die Polizei die Versammlung auf. Gegen rund 30 Demonstranten wird jetzt wegen des Verdachts der Volksverhetzung ermittelt.

Quelle: MDR in der Kategorie „andere Sportarten“

Beißreflexe aus der Politik und dem sächsischen Fußballverband

Quelle: MDR

SV-Präsident Gotthard Deuse hat für den Spielabbruch kein Verständnis. „So lange ich beim Spiel war, habe ich keine Nazi-Sprüche gehört.“ Er habe unter den insgesamt etwa 400 Zuschauern, darunter 150 Leipziger, auch keine Neonazis gesehen. Vielmehr hätten die RSL-Fans provoziert. „Die haben nach 20 Minuten plötzlich ‚Nazis, Nazis‘ geschrien. Dabei war überhaupt nichts los“, schimpfte Deuse, der auch Bürgermeister von Mügeln ist.

Das Deuse dort keine Nazisprüche gehört hat (er stand mitten unter den Mügelnern) ist ja auch klar. Dazu gibts nur eins zu sagen: Wenn mensch (wie Deuse) selbst Nazi ist, dann kann mensch das ja auch nicht erkennen. Punkt! Wer’s nicht glaubt, kann ja mal Googel nach Deuse fragen.

Das das alles mit Fußball nichts zu tun hat, ist eine richtige Feststellung des sächsischen Innenministers Markus Ulbig. Falsch ist aber „dass der Fußball von rechten und linken gewaltbereiten Extremisten benutzt wird“ (LVZ). Erstens geht diese Aussage von der Extremismustheorie aus, die seit Jahren wissenschaftlich widerlegt ist und nachweislich nur zur Relativierung der rassistischen, homophoben und antisemitischen Einstellungsmuster der Bevölkerung kolportiert wird. Zweitens haben es un- und organisierte Nazis überhaupt nicht nötig den Fußball zu benutzen, treffen sie bei vielen Fans und Spielern von Fußballvereinen (oder anderen Vereinen oder Stammtischen oder Arbeitsstellen) auf breite Zustimmung dieser Ideologie. Da muss nichts „unterwandert“ werden und da kommt auch nichts von außen. Naziideologie findet sich in jedem Verein, in jeder Stadt, in jeder Sozialen Schicht jeden Alters. Der Unterschied findet sich allein in der Konsequenz. Die einen ignorieren es, andere begnügen sich mit Pöbeleien und Drohungen und Einige führen das zu Ende was der Rest denkt und verprügeln und töten nicht-rechte Menschen.

Und wenn der Präsident des sächsischen Fußballverbandes Klaus Reichenbach erklärt: „Das sind Kräfte, für die der Fußball nur als Bühne dient“ dann ist das auch falsch, denn die Fans des RSL kommen um Fußball zu sehen und lassen deswegen ihre antifaschistische Einstellung auch nicht zu Hause. Und wie nötig es, ist die Ansicht auch verbal und visuell nach außen zu tragen, wird bei fast jedem Auswärtsspiel deutlicher. Die meisten Vereine und Fans fühlen sich davon provoziert bzw. wohl eher getroffen und angesprochen. Und nun eine kleine Denksportaufgabe: Geht mensch davon aus das die hiesigen Fußball Fans keine Fans von Nazi Ideologie sind, dann muss mensch sich schon fragen warum sie Parolen wie „Hate Faschism“ als Affront (und als auf sich bezogen) verstehen.

Und „eine klare Distanzierung von jeder Art Gewalt und Hassparolen“ kann Reichenbach jederzeit im Selbstverständnis des RSL ’99 nachlesen. Was da bei Mügeln-Ablass in der Satzung steht, können wir uns schon denken.

Was soll’n die Nazis raus aus Mügeln? Denn hier gehörn sie hin!

Und wer mal lesen will was der Rest dazu zu sagen hat, dem sei geraten sich das Gästebuch des SV Mügeln-Ablass zu Gemüte zu führen.