Das Spiel

Das Wichtigste zuerst: Die Spieler des Roten Sterns haben 0:1 gegen Schildau gewonnen. In der 1. Halbzeit war der Schiri partout in gewillt die Fouls der Schildauer Spieler mit entsprechenden Karten zu quittieren und beließ es nur bei Verwarnung, obwohl einige Fouls kaum einer Diskussion bedurften. Nachdem er aber in der 2. Halbzeit das Spiel weiterlaufen lies während sich 2 Spieler (RSL und Schildau) offensichtlich stärker verletzt am Boden wälzten, kam er nicht mehr umhin Konsequenzen zu ziehen und es hagelte gelbe Karten für RSL und Schildau. Die Schildauer spielten weiterhin aggressiv und alsbald schickte der Schiri 2 Schildauer mit gelb-rot/rot vom Platz. Irgendwann schoss Fetti den RSL durch Elfmeter in Führung und der Drops war gelutscht. Endstand: 0:1
Die Details lest ihr dann besser im Spielbericht (mit Fotos!) bei roter-stern-leipzig.de

Das Dorf

In Schildau angekommen durften wir uns am Marktplatz auch gleich die ersten „Schildauer Jungs“ und Mädchen angucken. Bei den „Schildauer Jungs“ [PDF: Naziszene in und um Torgau] handelt es sich im eine in Schildau aktiv gewesene Kameradschaft, von der mensch aber lange nichts mehr gehört hat. Das könnte u.a. daran liegen das eine aktive Kameradschaft in Schildau einfach nicht mehr nötig ist, da in der Bevölkerung kein Widerstand mehr vorhanden ist und nur noch geschwiegen bzw. im Stillen zugestimmt wird.

Am Sportplatz angekommen, wurden wir sogleich von einem riesigen Aufgebot an „Grün“ in Augenschein genommen. Diese Beamt_innen waren aber sichtlich entspannt und überließen die Eingangkontrollen dem Sicherheitsdienst. Nachdem mensch 2,50€ bezahlte und das Stadionheft in Empfang genommen hatte, ging es auf den Platz. Im Stadionheft wurden die bisherigen Leistungen des RSLs als „in der Hinrunde sehr erfolgreich“ beschrieben und das die Mannschaft „seit der Rückrunde etwas geschwächelt hätte“. Die Ursachen dieser Entwicklung verschwieg mensch.

Die „Fans“

Dafür waren die „Ursachen“ aber schon zu etwa 30 Personen auf der gegenüberliegenden Seite aufgelaufen. Dort wurden sie sukzessive mehr, bis uns ungefähr 80-100 Nazis, die Abendsonne im Rücken, gegenüberstanden. Kurz nach Anpfiff hingen die jungen Männer und wenigen Frauen 2 Transparente auf. Auf dem einen stand „Schildauer Jungs“, verziert mit einem Wappen in schwarz-weiß-rot. Das andere hatten die Nazis wohl extra für uns gemalt, denn darauf war „Love Football – Hate Roter Stern“ zu lesen. Auch dieses zierte ein Logo, das eine Faust zeigte die einen roten Stern spaltete. Wir sagen Danke für diese Würdigung unseres Vereinslogos!

Das Spiel nahm seinen Lauf und außer ein paar Sprechchorduellen zwischen uns und den Nazis passierte nicht viel. Wobei die Nazis offensichtlich darauf achteten nichts zu rufen, was eine Spielunterbrechung gerechtfertigt hätte. Deshalb riefen sie, und das völlig durcheinander, „Hasta la vista, antifascista“ oder auch mal „Wer Deutschland nicht liebt, muss Deutschland verlassen“. Und wenn es auf dem Platz besonders spannend zuging, entfuhr einigen auch mal ein „Schwuchtel“ oder „Wir sind Lokisten – Mörder und Faschisten“. Wie wir später von den Spielern des Roten Sterns erfuhren kamen die Nazis auch nicht umhin, jedem RSL Spieler der ihnen in Hörweite (aber außerhalb der Hörweite der Linienrichter) kam, mit „(Du) Jude“ zu beschimpfen. Sozusagen, geflüsterter Antisemitismus.

Das Nachspiel

Die Stimmung bei den RSL Fans war nach dem Elfmetertor nun ausgelassener denn je und auch bei den Nazis war die (aggressive) Stimmung auf dem Hochpunkt angekommen. Das Spiel war zu Ende und die Polizeikräfte hatten sich schon  am Spielfeldrand in Position gebracht, als ein paar wenige Nazis den Sprung über das Eisenrohr, welches sich um den Platz zog, wagten. Die Polizei stürmte daraufhin auf die Nazis zu, die wohl Richtung RSL Fanblock unterwegs waren, umstellte den Rest der Nazigruppe, die wohl hinterher wollte. Es kam dann zu einer kurzen Auseinandersetzung, bei der die Nazis mit Fäusten und Tritten auf die Beamt_innen und umgekehrt losgingen. Doch gegen Pfefferspray aus den Kanistern der Polizei und deren Kampfausrüstung hatten die Nazis kaum etwas auszurichten. Ein paar Nazis lagen am Boden und wurden von mehreren darauf sitzenden Cops bearbeitet und einige (im Polizeigriff) quer über das Feld abtransportiert. Im RSL Block begnügte mensch sich mit der Betrachtung des Schauspiels. Zugegebenermaßen war es schon befriedigend anzusehen, wie die Nazis mit ihrem Schicksal haderten. Anderseits wissen wir aber auch das die Polizei dies nicht tat, weil sie irgendein Problem mit Nazis hätte – wir errinnern uns an den denkwürdigen „Einsatz“ der Einsatzkräfte in Mügeln – sondern weil es eben das ist was Bullen so tun: Alles bedrohen, verprügeln und mit Repression überziehen, was aus dem gesellschaftlichen Rahmen fällt bzw. was nicht sein kann, weil es nicht sein darf.

Während auf der Schildauseite die nunmehr behelmten Polizist_innen sich darum kümmerten das die Nazis aus dem Stadion gingen, ließen wir am Bierwagen noch ein weiteres Bierfass anstechen und begaben uns gut gelaunt in Richtung Bus und Autos. Auf der Rückfahrt hielten wir den im Polizeikessel befindlichen Nazis noch ein paar gestreckte Finger entgegen (mit dergleichen sie auch uns bedachten) und fuhren zurück nach Leipzig.

Schon jetzt können wir sagen, dass dort sehr wohl bekannte Nazis waren.  Zum Beispiel Michael W., bekannt aus der Täterkartei vom Brandisüberfall und der Betreiber des in Wurzen ansässigen Naziversandhandels „Front Records“, namens Thomas P. Was auf die 9 vorübergehend festgenommenen Nazis zukommt, lässt sich nur erahnen.

[1.Update] Ein Bericht, vermutlich von „Freunden des unpolitischen Fußballs“, findet sich bei ostfussball.com [Fundstück: Schildau] Die Kommentare deuten aber schon eher auf „Freunde Deutschlands – Feinde der BRD“ hin.
Es ist in der Tat fraglich ob die Nazis wirklich vorhatten das Feld zu stürmen. Nach Abpfiff kann mensch schon auf den Platz gehen, ohne das mensch gleich von einem Platzsturm ausgehen muss. Angesichts der Aggressivität der Nazis hätte Team Green allerdings schon davon ausgehen können.[/Update]