„Alles Chaoten hier“ murmelte ein älterer Herr, als er an den Ordnern vorbei Richtung Sportplatz ging. Das Spiel gegen Oschatz fand nicht statt. Wieso es dazu kam, könnt ihr u.a. hier lesen:

Bericht folgt…vorest nicht. Da es nichts Neues zur Sachlage zu berichten gibt, weisen wir euch auf die Debatte die im Gästebuch des RSL und im Forum von leipziger-fussball.de geführt wird hin. Daraus möchten wir 2 Beiträge besonders hervorheben. Um diese in Gänze zu verstehen, sollte mensch sich die Debatte vorher zu Gemüte führen!

Im Gästebuch schreibt J am 28.5.2010

Leider fällt es sehr schwer, hier auf die 2/100 inhaltlich wertvollen Beiträge einzugehen. Die verschwinden irgendwie immer aus dem Blickfeld bei so viel praktischer Veranschaulichung von „Wand-bis-Tapete-Denken“, dafür schon mal nen großes sorry.

fassen wir die „Beschwerden“ mal zusammen:

1. Euch gehts nicht um Fussball
Doch, ganz doll sogar. Aus Spaß am Stress bringen sich in diesem Verein sicher nicht mehrere dutzend Leute seit 11 Jahren an den Rand menschlicher Belastbarkeit!
Der Unterschied, den hier so viele nicht checken, ist ein Einfacher: Es geht uns um Fussball, der Spaß macht. Spielern, Fans, wem auch immer. Und dazu gehört eben auch, dass man diesem Hobby nachgehen kann ohne dass man sich jede Woche als Zecke, Asi, Arschloch oder auch sonst was bezeichnen lassen muss. Der, der die derzeitigen Zustände auf sächsischen (und anderen) Sportplätzen als gut und schön empfindet, wer es in Ordnung findet, dass Frauen/Ausländer/Homosexuelle/“hier einsetzten was sonst noch so alles komisch ist“ sich aus Angst und Unwohlsein von diesen Orten fernhalten, genau diesen Leuten geht es nicht um Fussball. Denen geht es um eine schimmlige Deutsch-Testosteron-Kneipe, die auch am Nachmittag schon geöffnet hat. Und die machen wir euch kaputt! Immer! Überall!

2. Ihr bringt doch die Politik ins Stadion
Hallo, aufwachen! Die Politik ist überall! Das nennt sich Demokratie! Auch Diskriminierung ist Politik. Und Diskriminierung findet auch im Stadion statt. Das macht den Fussball kaputt, und dagegen hat der Rote Stern was. Wir bringen nicht die Politik, sondern die Opposition ins Stadion.

3. Euch gehts ja nur ums Punkte erschleichen
Das Zweit-dümmste, was man so von sich geben kann.
Für Entscheidungen des Sportgerichts kann der Verein nix, und das diese Entscheidungen nicht berechenbar sind, dürfte auch nach 8 Bier am Vormittag noch auffallen. Brandis wird wiederholt, Mügeln „gewinnen“ wir. Wer daraus auf die Entscheidung des Sportgerichts im Fall vom Mittwoch schliessen kann hat nen Nobelpreis verdient.
Und um auch mal persönlich zu werden: Solange oben erwähnte Politik im Stadion passiert, interessieren mich eure Punkte einen Dreck. Backt euch nen Eis damit.

4. Immer spielt ihr euch als Opfer auf, dabei … => siehe Beschwerde 2
Erstmal klarkommen: Opfer ist man, Täter wird man. Wenn mensch sich das vor Augen hält, ganz nah dran, sieht mensch schärfer.
Über unsere Opferrolle in Brandis diskutiere ich nicht.
Über die Täterrolle der Angreifer diskutiere ich nicht.
Darüber, das Gerd Große ein Arschloch ist diskutiere ich nicht.
Täter sind wir, wenn wir offensiv Missstände auf Sportplätzen (und damit in der Gesellschaft, in Leipzig, in eurem Dorf, auch bei uns) hinweisen. Es ist ein demokratisches Recht, dies zu tun. Es ist meiner Auffassung nachsogar demokratische Pflicht. Das dieser Umstand solche Wellen schlägt, ist bezeichnend und beschämend. Keiner hier ist gerne Opfer, das fühlt sich (Überaschung) verdammt beschissen an. Aber solange wir oder andere Menschen immer wieder auf Sportplätzen zu Opfern werden, bleiben wir Täter! Basta!
Und das gilt für Nazis wie Tom W. erst recht. Und wehe du suhlst dich jetzt in deiner Opferrolle 😉

5. Euch Zecken sollte man alle umbringen
Fick dich selbst!

Cheers

und in Forum bei LF schreibt johannes am 28.5.2010 folgendes:

Wisst ihr übrigens, was als erstes auffällt, wenn man sich die ganzen Seiten gebündelt durchliest?
Die fast von allen vertretene Ansicht, der Stern wäre „zu weit gegangen“, würde sich „über die Dinge stellen“, wäre „ja selbst intolerant“ und würde „seine Prinzipien (Toleranz) nicht auf sich selbst anwenden“ wird direkt von der Aussage gefolgt, er hätte sich gesammelten Symphathien als Brandisopfer und „etwas anderer, aber cooler Verein“ mit diesem „Gehabe“ und „ständigem rumgeningele“ verspielt. Bin ich der einzige, dem das Paradoxe daran auffällt?
Es nervt also, wenn der Stern dauernd rumheult, weil die Nazis böse sind und verlangt, dass das alle das einsehen und mithelfen, den Dreckmist aus unserem Leben zu verdrängen. Und wenn dann mal nicht rumgeheult wird, sondern gehandelt wird und ein Fascho einfach nicht aufs Gelände gelassen wird, dann nervts auch.
Das deckt sich nicht mit dem, was hier sonst dem Stern (bei aller Kritik) immer wieder zugestanden wird. Nämlich, dass man als nahezu einziger Verein offensiv gegen Diskriminierung vorgeht, und das dies eine Notwendigkeit ist.
Und von hier aus kommen wir zu der Frage der Mittel. Aufs Maul is nicht so prickelnd, das weiss sogar der Stern. Ausnahmen bestätigen die Regel, was aber nicht der Punkt ist. Aufs Maul bekommen und dann „rumheulen“ ist noch beschissener.
Und dann? Na was denn? Der einzige Vorschlag (außer Auflösen oder zurück in die Stadtliga) der hier kam, war nen Transpi aufzuhängen. Wobei ja selbst dafür genug Gegenwind kommt, weil dann ja wieder diese vermaledeite, nervige Politik ins Stadion kommt. Na klasse! Wisst ihr, die angesprochene Arroganz, die der Stern auf einmal ausstrahlt, kommt nicht von ungefähr. So sieht das nunmal aus, wenn ein Verein (nein, ich sage nicht „konsequent ist“) sondern weitermacht, obwohl er immer noch, nach Brandis, nach Mügeln, nach 11 Jahren! alleine auf weiter Flur steht und trotzdem weitermacht. Dauernd hört man hier was von „Opferrolle“, und wie sehr das dem Stern doch gefallen würde. Hier haben die meisten offensichtlich keine Ahnung davon, wie eklig und scheiße das ist, Opfer zu sein. Sich immer wieder für die selbstverständlichsten Sachen rechtfertigen zu müssen, sich dauernd wiederholen zu müssen (=> „rumzuheulen“). Und eben weil es konstruktiver und befriedigender ist, Täter zu sein, und weil die verantwortlichen Stellen ala Verband sowie betroffene Vereine das Thema totschweigen, kommt Tom W. nicht auf den Platz. Und wer mal kurz die „Lieber-Fussball-böse-Politik“-Brille abnimmt, kann auf die Idee kommen, dass das kein neues Allheilmittel für den Roten Stern sein soll, sondern ein Versuch zu agieren. Ein Statement. Ein Transpi ;)
Dass das nicht von allen Mitgliedern des Sterns so gesehen wird, bestätigt das meiner Meinung nach. Aber letztendlich kann man über diesen Schritt wunderbar und überaus sinnvoll diskutieren, was ja auch hier passiert. Gut so. Das Urteil des Sportgerichts wird den leipziger Fussball verändern, es werden viele wichtige Fragen zumindest diskutiert werden müssen, und das ist vom Ausgang unabhängig in jedem Fall positiv.
Vielleicht kommen ja auch mal ein paar Leute aus dem Arsch und steuern eigene Ideen bei, wie man dem Problem Neonazis im Fussball beikommen kann und helfen direkt mal dabei, die auch umzusetzen.
Und an dieser Stelle relativiert sich auch der Vorwurf, Roter Stern sei zu weit gegangen. Drauf geschissen. Lieber mal zu weit als immer zu kurz, das hat nämlich nicht geklappt.
Und genau weil das nicht geklappt hat, wird dieses Forum auch die Diskussionen nicht los. Probleme lösen sich nicht von alleine, niemals.

so long, schönen Abend

Wir finden das diese 2 Beiträge die Debatte um den Ausschluss von Tom W. am besten beschreiben.