Heute war der letzte Tag im 5. „Brandisverfahren“ gegen Chris R.  Er war einer der ersten die vom Spiegel Magazin „interviewt“ wurden. Und hier sehen wir Chris R. (ab 3:07) in bzw. vor seinem Element: dem Schweinzuchtbetrieb, wo er laut Zeugnis seines Arbeitgebers, sehr fleißig arbeiten würde.

Doch damit ist es jetzt erstmal vorbei, denn das schmale Mitglied der Nazikameradschaft Terror Crew Muldetal oder auch Schweinezüchter/Nazibarde/schwereKindheitOpfer fährt jetzt erstmal ein. Der Richter formulierte das folgendermaßen: „…und wer das nicht kapiert, der geht halt in den Knast!“

Die Zeugenaussagen

Als Zeugen waren der Schiri Otto (den mensch auch im Video sehen kann), ein ehemaliger Spieler von Brandis, der Brandiser Nazi Ordner Andre H. und ein junger RSL Fan geladen. Schiri Otto konnte wenig Neues beitragen, aber das ist ja wohl kaum mehr möglich nach all den Aussagen.

Der ehemalige Brandisspieler erzählte von einem, von ihm persönlich bobachteten, tätlichen Angriff auf einen Mann, den er später als den identifizierte der nun auf einem Auge fast blind ist. Interessanterweise erzählte er zuvor, das er besagte Person schon von Anfang an als „gewalttätig“ und „auf Stress aus“ einschätzte. Wohlgemerkt: Er meinte damit die Person, der später eine Gesichtshälfte zertrümmert wurde. Wie er auf diese Einschätzung kam, konnte er nicht erklären. Die betreffende Person hätte weder etwas gesagt noch sich irgendwie auffällig verhalten. Er habe nur so ein Gefühl, dessen Ursache er nicht beschreiben konnte. Alles in allem, war die Zeugenaussage sehr komisch und Menschen die selber in Brandis dabei waren, werden wohl berechtigte Zweifel an der Aussage dieses Zeugen haben. Nichtsdestotrotz wurde diese Zeugenaussage vom Staatsanwalt und Richter zur „besten Aussage des Verfahrens“ gewählt und immer wieder betont, wie hilfreich und einleuchtend diese wäre. Fazit: Komischer Typ und noch komischere Aussage. Egal!

Dann war Naziordner Andre H. dran. Dieser gab korrekterweise an, im Kassenhaus gesessen und die RSL Fans abkassiert zu haben. Auch das er nicht als Ordner_in gekennzeichnet war, erklärte er damit das ihm die Ordner_innen-Westen einfach zu eng war. Was er allerdings verschwieg, war sein Gespräch am Zaun mit den ankommenden Nazis (siehe 1. Brandisvideo), welchen er dann auch für eben diese öffnete. Was er außerdem verschwieg, ist die Tatsache das er während des Angriffs am Spielfeldrand stand und zusah (das kann mensch auch sehr schön im 1. Brandisvideo sehen). Daraus ergibt sich also ein Falschaussage von H. wonach er vor Gericht angab, nichts zu wissen , da er ja angeblich nichts gesehen habe. Der Richter unterbrach ihn des öfteren, da (nicht nur er) kein Wort von dem Gebrabbel das H. von sich gab, verstand. Keine Erkenntnis, außer das bei H. im Oberstübchen nicht allzu viel los sein dürfte.

Chris R. äußerte sich während des gesamten Verfahrens nicht.

Die Plädoyers

Dafür aber glänzte sein Anwalt Hohnstädter mit dem Versuch den jungen RSL Fan mit Suggestivfragen in die Enge zu treiben, was aber vom Richter mehrfach unterbunden wurde. Nachdem die Staatsanwaltschaft, wie schon bei Alexander L., eine sehr gute Einschätzung und Beurteilung der Geschehnisse abgab und mit einer Strafforderung über 2 Jahre und 8 Monate schloss, war es nun an  Hohnstädter, seinen Mandanten zu entlasten. Nachdem also Staatsanwaltschaft und die Kläger_innen die Widerwärtigkeit des Angriffs und die unfassbare Brutalität und Verletzungen, insbesondere dem Verlust der Sehkraft eines RSL Fans, dargelegt hatten, brachte Hohnstädter es doch tatsächlich sein Plädoyer mit der Forderung auf Freispruch zu beginnen. Das wollte er damit erklären das Chris R. ja keine Tätlichkeit via Foto oder Aussage nachzuweisen sei. Das das nicht nötig ist, hatte der Richter schon bei Alexander L. dargelegt. Denn alleine die Tatsache mit dem Nazimob mitgelaufen zu sein, reicht für eine Mittäterschaft völlig aus und bedeutet, dass sich Chris R. eben all jener Straftaten, die aus der Gruppe heraus begangen wurden, auch schuldig gemacht hat. Genauer gesagt, wegen versuchter, gefährlicher und wegen schwerer Körperverletzungen inklusive Landfriedensbruch im besonders schweren Fall.

Sein Verteidiger verstieg sich dann in Vermutungen über die Echtheit der Bilder (auf denen R. mehrfach auf dem Acker zu sehen ist), die wiederum vom Richter, wegen der hohen Auflösung, als sehr hilfreich eingeschätzt wurden (Zitat des Richters: „Mensch wünschte, es wäre bei solchen Übergriffen immer ein_e Fotograf_in dabei). Weiterhin wollte Hohnstädter den heute mehrfach gefallenen Begriff „Hetzjagd“ runter reden (er versuchte den Begriff historisch mit „Jagd auf Mammuts“ und dem anschließenden „erlegen“ desselben zu erklären, was ja in Brandis so nicht der Fall gewesen wäre) und begründete dies mit den, aus seiner Perspektive, doch relativ wenigen Verletzungen ob der vielen Akteure. Mit dieser Dreistigkeit hat er sich beim Richter wohl kaum Pluspunkte geholt.

Und als ob ihm das nicht klar wäre, verfiel er in Ausführungen über den von Chris R. mitgeführten Teleskopschlagstock. Dabei stellte er abwechselnd in Frage, ob es sich überhaupt um einen solchen gehandelt habe (wobei dies auf den Fotos klar zu erkennen ist) um dann zu erläutern, dass sich der Schlagstock ja in eingefahrenem Zustand befunden habe und damit nicht „einsatzbereit“ und damit nicht als Waffe zu werten sei. Später korrigierte der Richter diese Lüge. Nicht nur, dass der Richter während der Verhandlung selbst vorführte wie einsatzbereit, der bei Chris gefundenen Teleskopschlagstock war, nein, er nannte auch den Versuch des Verteidigers aus dem Angriff (auf den RSL) eine Notwehrsituation zu machen, etwas was nicht mal einem/er Jurastudent_in im 1. Semester einfallen würde. Hohnstädter scheint auch ansonsten ein eher unverkrampftes Verhältnis zu nationalistisch-völkischen Kreisen, wie der NPD, zu haben. Für jene Partei kandidierte Chris R. letztes Jahr und erreichte auch sogleich knapp über 150 Stimmen. Der Verteidiger versuchte dies als unüberlegte Spontanhandlung abzutun und zeitgleich als Beleg für die fehlende geistige Reife von Chris heran zu ziehen. Dabei kam er nicht umhin zu erklären, dass der NPD „eine klare politische Linie“ fehle und demnach auch kein Beweis für die Gesinung von Chris R. bieten würde.

Ansonsten wurde Chris als fleißiger, strebsamer und motivierter junger Mann mit schwieriger Kindheit beschrieben. Dabei wurde auch sein Interesse am Schlagzeug spielen erwähnt. Das er dieses Interesse im Jugendclub in Bennewitz mit seiner Naziband „Storm of Mind“ auslebt, blieb unerwähnt. Wir vermuten das in Bennewitz wohl immernoch der gescheiterte Ansatz der „akzeptierenden Jugendarbeit“ (CEE IEH #33) verfolgt wird. Da Chris R. aber nun nachweislich nichts mehr und nichts weniger als ein Nazi ist, wurde dies entsprechend von der Staatsanwaltschaft und vom Richter bei seiner Urteilsbegründung ins Feld geführt. Sein Vorstrafenregister verzeichnet neben 2x Körperverletzung auch Verwendung von Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen. Außerdem wartet demnächst neben einem Verfahren, bei dem es sich um den Angriff auf die Highland Games in Machern dreht, bei dem er wohl beteiligt war, auch ein Verfahren wegen einer Körperverletzung in Wurzen auf Chris R.

Das Urteil

Jener Richter hatte ja schon Alexander L. mit einem Strafmaß, welches weit über die Forderung der Staatsanwaltschaft hinaus ging, bedacht. So auch diesmal:

Und so lautete das Urteil: 3 Jahre und 2 Monate. 3 Jahre und 2 Monate in denen die Schweine aus dem Zuchtbetrieb. ohne ihren Chris auskommen müssen. Die Urteilsbegründung des Richters war sehr emotional und betonte ausführlich die „versaute Zukunft“ des auf einem Auge nahezu erblindeten RSL Fans und die Menschenverachtung und Skrupellosigkeit bzgl. der Verletzungen, die alle Angreifer an den Tag gelegt hatten.

Weiterer Prozessbericht von ChronikLe bei NPD-Blog:

Brandis-Angriff: Drei Jahre Haft für NPD-Kandidaten