Wir sind ja nun mit einigen Erwartungen nach Dahlen gefahren. Da gab es Gerüchte über Nazis, die sich angekündigt hätten und auch die Spielweise der Dahlener war als eher „ungraziös“ bezeichnet worden. Wir wurden in beider Hinsicht überrascht.

Die Anfahrt dauerte ca. eine Stunde und endete in einer immer enger werdenden Straße schließlich am Bolzplatz, was sich schon an der massiven Polizeipräsenz ablesen ließ. Das wir auf dem richtigen Weg sein mussten, ließ sich aber auch schon ein paar Meter vorher, an den 5 Dorfnazis erkennen, die sich wohl geradewegs aus den 90ern zum Fußball begaben. Die Herren mit Glatze, Tarnmusterhosen und Bomberjacken und die Frauen mit bis auf den Pony kahl geschorenen Köpfen. Sollte wohl sowas wie eine Renee Frisur darstellen. Wir lachten herzlich und dachten noch „wie retro“.

Die Eingänge waren strikt nach RSL Fans auf der einen und „alle anderen“ auf der anderen Seite getrennt. Der Zustrom von Dahlener Fans riss nicht ab und darunter befanden sich dann auch tatsächlich verschiedene Grüppchen von Nazis. Diese riefen mehrmals „Nazis raus“, während sie sich ihren Weg durch den Eingang bahnten. Zum Teil waren die Nazis im besagten Stil der 90er Jahre gekleidet, während die anderen es etwas „moderner“, sprich Thor Steinar und Co, angingen.  Im „offiziellen“ Spielbericht findet sich auf dem 2. Foto ein Exemplar der moderneren Art. Von vorne sieht das dann so aus. (Der junge Mann, 2. Reihe von unten, 2. von rechts)


Nach Anpfiff wurde schnell klar, das die Dahlener Spieler ihre Stärken wohl eher im Bereich Rugby oder Kickboxen haben, als im Fußball. Das Endergebnis und die Spielerverletzungen, bestätigen dies ganz klar.

Doch nun zu „den anderen Fans“. Auf der gegenüber liegenden Seite kam immer mal wieder Stimmung auf, insbesondere wenn der Schiri ein Foul der Dahlener tatsächlich bestrafte. So gab es Ausrufe wie „Muschi“, deren Ursprung im Bereich der Dahlener Auswechselbank lag und wohl einem der eigenen Spieler galt, der nicht die erwartete „Härte“ im Umgang mit seinen Schmerzen zeigte. Ja ja, ein Junge weint nicht. Ein Junge beißt…sich auf die Zunge, auch wenn das Herz reißt!
Im weiteren Verlauf wurde des öfteren „Nazis raus“ (das sollte wohl den RSL Fans gelten) und „Wir wollen Deutschland siegen sehen“ angestimmt (was von RSL Seite mit „ihr habt den Krieg verloren“ pariert wurde) und auch auch für die RSL Fans gab es von Dahlener Seite aus Gesänge, deren genauer Wortlaut schwierig zu verstehen war. Es ging wohl darum, dass die RSL Fans noch beschissener sind, als „die BSG“, „das BFE“ oder „die BRD“. Das war nicht ganz zu verstehen. Zwischendurch wurden auf Dahlener Seite dann noch 3 Böller gezündet.

Der Höhepunkt der „Fangesänge“ war aber definitiv erreicht, als die RSL Fans die St. Pauli Hymne „Wir sind Zecken, assoziale Zecken…“ anstimmten und – festhalten – die Gegenseite mit einstimmte. Wobei auf der anderen Seite „Ihr seid Zecken…“ gesungen wurde. Ob die Sänger_innen auf der anderen Seite tatsächlich annehmen, wir würden sowas als Affront aufnehmen, bleibt ungewiss. Wir fanden es in jedem Fall sehr lustig und hoffen auf viele weitere gemeinsame Gesangseinlagen. Vielleicht der Beginn einer langen Fanfreundschaft?!

Zum Schluss möchten wir noch auf eine besondere Person hinweisen. Auf der Seite der Dahlener befand sich sozusagen Provinz Prominenz. Die aus Mügeln (ab 0:22min) bekannte Vorsängerin. (blonde Haare und Sonnenbrille)

Tja, welche von beiden ist es denn?

Die Abreise gestaltete sich insofern schwierig, da sich nun noch einiges an „Problemklientel“ vor dem Platz befand und nicht so recht nach Hause wollte. Aber auch unsere Anwesenheit nach Abpfiff (wir warteten auf unsere Spieler) erregte den Unmut eines Polizeibeamten, welcher sich dann mit den Worten „wann verpissen sich denn diese assozialen Zecken endlich“ über den Zaun entlud. Der Beamte wurde sofort von seinen Kollegen zurück gezogen und dürfte sich bei seinem Vorgesetzten dafür einen Rüffel abgeholt haben.

Fazit: Dahlener Fußball bietet so einiges – wenn mensch was von Rugby versteht. Unter den Zuschauern auf der Dahlener Seite befanden sich einige Nazis, woran sich die Dahlener Fans in keinster Weise störten. Polizeiliches Ausschankverbot von Alkohol führt zu wesentlich kürzeren Schlangen am Grillstand und gefühlt weniger Stimmung unter den Fans.