Am kommenden Sonntag wäre der RSL nach Schildau gefahren. Aber nun kommt Schildau (doch nicht) zu uns. Wieso, Weshalb, Warum….

[Update]Schildau ist zum Spiel, wegen  „Personalmangel“ nicht angetreten. 2:0 für den RSL![/Update]

Aus der LVZ vom 25. März 2011:

Heimrecht-Verzicht

Angriffe auf Roter Stern befürchtet

Schildau. Die Angst muss groß sein, wenn sich Bezirksklassenvertreter TSV 1862 Schildau rund 1500 Euro entgehen lässt.
Der Verein verzichtet auf den Heimvorteil am 3. April gegen die Fußballer des souveränen Tabellenführers
Roter Stern Leipzig und damit auf die zu erwartende Einnahme, weil die Verantwortlichen Ausschreitungen sowie
Schmährufe einzelner Zuschauer gegen die politisch links orientierten Messestädter erwarten.
Dazu war es bereits beim Gastspiel der Leipziger in der vergangenen Saison gekommen. Am 12. Mai hatte ein
rechtsradikaler Mob die Polizei angegriffen, die ein Aufeinandertreffen mit den 300 Sterne-Fans verhindern wollte.
Unter die insgesamt 510 Zuschauer hatten sich 60 zunächst unauffällige Nazis gemischt.

Unauffällig sieht anders aus. Wir erinnern nochmal an die schönen Transparente, die die Nazis damals entrollten: [Bericht vom Auswärtstspiel im Mai 2010]

Desweiteren sind die „Schildauer Jungs“, kein x-beliebige Provinz Jugendgang, sondern eine Kameradschaft mit „der längsten Kontinuität in der Region“. [Quelle: Situationsanalyse, Kulturbüro Sachsen]
Diese fahren übrigens auch gerne mal nach Tschechien um sich ihre Dosis Nazimusik abzuholen.[Liebesgrüße an die Schildauer Jungs bei Aryan Music (2004)]

Eine Wiederholung wollen die TSV-Verantwortlichen ausschließen.
„Wir hätten das Geld vom Roter-Stern-Spiel gut gebrauchen können. Aber wir haben auch Angst vor einem Vorfall wie im November hier gegen Radefeld, als uns danach das Sportgericht wegen eines angeblichen Zwischenrufs eines Zuschauers zu einer Strafe von 500 Euro verurteilte“, sagt Schildaus Stadionsprecher Lutz Herre.
Er stand in der Nähe des damaligen „Tatorts“, wo der Schiedsrichter-Assistent den antisemitischen Ruf als Einziger gehört hatte.

Genau genommen, wurde den Radefeldern von Schildauer Fans nahe gelegt „zurück nach Ausschwitz“ zu gehen.
Vielleicht eine völlige Überbewertung, aber wir finden es doch irgendwie gut, dass Antisemitische „Ausfälle“ im Provinzfußball auch dann verfolgt werden, wenn der RSL mal nicht Anwesend ist.

Die Schildauer haben das Urteil nicht akzeptiert, sind in Berufung gegangen. Dennoch befürchten sie eine erneute Strafe. „500 Euro für einen dummen Satz können wir nicht gebrauchen. Und als angeblicher Wiederholungstäter könnte beim nächsten Mal die Strafe bis zu 5000 Euro ausfallen, was uns als Verein ruinieren würde“, sagt Fußball Abteilungsleiter Siegfried Machner.

Bei den Schildauer Abteilungsleitern fallen Morddrohungen, also nach wie vor in die Rubrik „dumme Sprüche“. Und natürlich sind es nicht die antisemitischen, rassistischen und homophoben Einstellungsmuster nicht weniger Schildauer Fußballfans, sondern die Strafen vom Sportgericht die den Verein ruinieren.

Außerdem sehe sich der TSV außer Stande, die Sicherheit aller Beteiligten zu gewährleisten, obgleich der Verein für seine Organisation beim Auftritt der Sterne im vorigen Jahr von der Polizei gelobt wurde. Der Funktionär sagt aber auch: „Stünde die 500-Euro-Geldstrafe nicht im Raum, hätten wir gegen Roter Stern gespielt.“
Staffelleiter Eberhard Sowa (Torgau) hat mit dem Verzicht Schildaus kein Problem. „Es entspricht alles der Spielordnung. Einige Partien von Roter Stern sind als sicherheitsrelevant eingestuft. Wie die in Schildau, Beilrode und Mehderitzsch, wo die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass Leute aus dem rechten Lager auftauchen.“

Es ist zugegebenermaßen schon recht schwierig eine Fußballpartie in der „national befreiten Zone“ ohne größere „Zwischenfälle“ hinzukriegen. Aber es ist eben nicht unmöglich. Konsequente Einlasskontrollen , Aufklärungsarbeit im und um den Verein, in Kooperation mit lokalen antirassistischen Initiativen (insofern diese nicht schon finanziellen Kürzungen zum Opfer gefallen sind) wären aber schonmal ein Anfang. Das wird beim TSV Schildau aber offensichtlich nicht in Betracht gezogen. Diese stellen sich lieber als Opfer von Sportgericht und renitenten (wir nennen es: Kampf gegen Rassismus, Antisemitismus, etc.)  Fußballvereinen hin.

Die Polizei als Teilnehmer der Sicherheitsberatung akzeptierte den Vorschlag der Schildauer wie auch Roter Stern. Für die Begegnung in Leipzig sieht Sowa keine Gefahr: „Wenn da ein paar Nazis auftauchen würden, hätten sie angesichts der vielen Anhänger von Roter Stern sowieso keine Chance.“

Es geht offensichtlich auch anders!

Die Leipziger sind nicht böse über das zusätzliche Heimrecht, denn für sie bedeutet das Gastspiel der Gneisenaustädter eine respektable Einnahme, sagte ihr Geschäftsführer Norman Schmiedel. Zudem spare der Verein Reisekosten. Das Schiedsrichter-Trio wird aber Roter Stern bezahlen.
Das Match wird aus organisatorischen Gründen erst um 16 Uhr auf dem Sportplatz Dölitz ausgetragen. Angesichts von sieben Zählern Vorsprung des Tabellenführers auf Verfolger SV Nordwest Leipzig dürfte auch keine Gefahr von Wettbewerbsverzerrung bestehen, wenn die Schildauer auf ihren Heimvorteil verzichten. Wozu Nordwest-Trainer Klaus Seiferth nichts Konkretes sagen wollte. „Ich sehe es aber als schlimme Entwicklung an, wenn Chaoten Einfluss auf den Spielbetrieb nehmen.“
Das Wort Wettbewerbsverzerrung nahm auch Nordwest-Geschäftsführer Ralf Heine nicht in den Mund. „Ich nenne es nicht wettspielgerecht. Es wäre fairer, wenn die Partie auf einem neutralen Platz stattfinden würde.“
Norbert Töpfer

Falls da noch wer Zweifel hat: mit „Chaoten“ sind natürlich auch wir gemeint.