Am Ostermontag spielte die 1. Herren des RSL auswärts gegen den SV Zschepplin.
Am Acker angekommen, fiel den Fans zuerst das übliche Polizeigroßaufgebot ins Auge. Neben den sehr motiviert wirkenden Einsatzkräften, sorgten ca. 47.000km rot-weißes Absperrband, welches einmal komplett um den für uns vorgesehen Bereich flatterte, für noch mehr Sicherheit.

Als die Beamt_innen die von RSL Fans mitgebrachten Transparente (im Fachjargon: „politische Gegenstände“, siehe Arenaordnung Süptitz) entdeckten, wollten sie diese nicht mit rein lassen. Wegen politische Inhalte und Provokation und so, verstehste?! (Auf einem Transparent, ist angeblich ein Elefant und ein Hakenkreuz abgebildet. Unfassbar!)

Mittlerweile hat sich bei den Auswärtsfans aber die Regel „Wenn wir nicht unsere Transparente drinnen aufhängen dürfen, dann hängen wir und die Transparente eben draußen rum“ durchgesetzt. An der Stelle weicht die oft proklamierte „Politische Neutralität“ (Erklärung folgt weiter unten) der Vereine dann aber aber genau so oft, der grausigen Vorstellung auf den Jahresumsatz durch Bier- und Grillgutverzehr durch die zahlreichen RSL’er_innen verzichten zu müssen.

Daraufhin kam es zu einem „geheimen“ (bzw. abseits der Fans abgehaltenen) Gespräch zwischen dem Einsatzleiter, einem Zscheppliner Verantwortlichen und der „RSL Fanbeauftragten für diplomatische Verhandlungen bzgl. politischer Gegenstände“ (Ein Posten der wöchentlich neu ausgelost wird. Intern: Und genauso schlecht bezahlt wird!)
[Update] Zitat vom 26.04.2011 aus dem Gästebuch des RSSC:

Die Exekutive wollte uns nur OHNE Tranpis auf den Sportplatz lassen. Aussage des Einsatzleiters: „Der SV Zschepplin möchte gar keine Transparente auf dem Sportplatz, erst Recht nicht welche die provozieren könnten (er spielte damit auf das genannte Transpi Love Football – Hate Facism an).“ Nach kurzer Diskussion, das wir in diesem Falle den Sportplatz nicht betreten und von aussen zuschauen werden, ist dann unsere ChefordnerIn mit Einsatzleiter Polizei im Gepäck zu eurem Verantwortlichen. Letzterer zeiget sich überrascht über den Verbot der Transparente und sagte dann: „Wir mögen Fußball, die mögen auch Fußball und sind halt gegen Faschos – gar kein Problem, die Tranpis dürfen rein“.

[/Update]

Die Verhandlung ergab, das die Transparente bis auf das mit dem „Fence Off“-Motiv doch rein durften.

Der Zscheppliner Verantwortliche erklärte vor den versammelten RSL Fans („Ruhe, jetzt rede ich!“), dass der Verein politisch Neutral sei („Weder mit der Einen, noch der Anderen Seite was zu tun haben wolle“), mensch aber auch schon mitbekommen hätte – ACHTUNG: Festhalten! – das der DFB auch „die eine oder andere Aktionen gegen Rassismus und so“ abgehalten hätte. (Gelächter unter den RSL Fans) Damit durften dann u.a. das „Love Football – Hate Racism“ – Transparent mit rein.

Das „Fence Off“-Kampagnen-Transparent [Foto auf der Kampagnen Website] hingegen wurde weiterhin abgelehnt. Das hätte „einen zu lokalen Bezug“ und der SV Zschepplin müsse ja auch noch gegen einige Vereine in Leipzig spielen. Ob der Zscheppliner Vereinsmensch verstanden hat, worum es bei „Fence Off“ geht bzw. worum es sich bei dem Nazizentrum in Leipzig handelt, darf bezweifelt werden. Aber so ist das halt, wenn ein Verein politisch Neutral sein will. Im Zweifel eben auch politisch Neutral gegenüber einem Nationalen Zentrum, in dem sich Nazis regelmäßig u.a. zu Rechtsrockkonzerten, Vorträgen und Wehrsport treffen. (Hintergrundinfos: Chronikle.org)

Bis auf dieses (leider übliche) Kräftemessen („Politik im Fußball“ vs. „politische Neutralität“ vs. „auf Bier und Grillgut sitzen bleiben“), verlief der Fußballnachmittag höchst erfreulich und ohne weitere Zwischenfälle.

Dass das Spiel vorgezogen wurde, hat den Grund das zum ursprünglich angesetzten Termin, zeitgleich das Zscheppliner Stadtfest stattfindet. Und da befürchtete der Verein, das „die von der anderen Seite“ (umgangssprachlich: Nazis) auf die Idee hätten kommen können, zu diesem nun vorgezogenen Spiel zu gehen.

Wir bedanken uns beim Zscheppliner Ordner für dessen ungezwungenen Umgang mit der Problematik „Nazis auf dem Zscheppliner Dorffest“.

Wir warten derweil noch auf den Tag, an dem der DFB seine Solidarität mit der „Fence Off“ Kampagne bekundet. Denn im Impressum der Website der Lok Leipzig Ultras/Nazis „Blue Caps Le“ ist nach wie vor die Adresse des Nationalen Zentrums angegeben. (Theo, wenn Du das liest: eine nette Solidaritätsbekundung per email reicht völlig)