Wenn mensch von den Erfahrungen von Spielen des Roten Stern Leipzig ausgeht, gibt es nirgendwo ein so gutes U-Bahnnetz wie in Sachsen. Hier kann ganz bequem von Connewitz/Leipzig bis nach Auschwitz gefahren werden. Von so vielen fleißigen Menschen wie sie im Leipziger Umland zu finden sind, kann in Leipzig nur geträumt werden, die eine „U-Bahnlinie“ an der hier seit Jahren gebaut wird, sie wäre mit diesen „Engagierten“ längst fertig und hätte mehr Stationen.

Beim Bezirksligaspiel des Bornaer SV 91 am vergangenen Sonnabend gegen Roter Stern waren sie wieder zu hören, die Rufe der „U-Bahnbauer“, garniert mit „Roter Stern, Jude, Jude Jude“, „Ob Ost ob West, nieder mit der Roten Pest“ und das übliche was den Trägern von T-Shirts mit Aufschriften wie „frei, sozial, national“, „1.FC Hooligan vs. Sachsenstube 2:0“, „Eine (nationale) Jugend rebelliert“ usw.,  alles einfällt. Aber die wieder mal mit einem Großaufgebot vertretende Polizei wusste wie so oft, wer das eigentlich Problem ist und die Politik ins Stadion bringt. So wurden alle Fans des Sterns streng kontrolliert und mussten zum Teil sogar ihre Schuhe ausziehen. Einige Banner durften auch nichts ins Stadion, weil sie angeblich (zu) politisch seien und der nette Beamte, der dort das sagen hatte, sich sicher ist: „Fußball ist unpolitisch!“. Wie oft dieser Blödsinn noch argumentativ widerlegt werden muss, bleibt ein ewiges Rätsel, aber auch die Polizei wird in seinen Augen keine politische Institution sein und ist natürlich auch gänzlich unpolitisch. Auch eine Israel-Fahne musste draußen bleiben, „sind wir hier doch nicht bei einem Länderspiel“. Komisch nur, dass die Fahne bei dem was sich der Rote Stern immer anhören muss eigentlich nur folgerichtig ist, sind die Sterne doch angeblich alles Juden.

Foto: Allein der Blick auf die Banner, die die „Fans“ vor sich aufgehangen haben, lässt auf eine eher regelmäßige Beteiligung an Spielen des Bornaer Vereins schließen.

Auch das Banner „Love Football – Hate Fascism“ musterte der Beamte der Spezialabteilung Politische-Haltung-Am-Einlass-abgeben mit Sorge und beschied „zu politisch“. Antifaschismus,  im Grundgesetz verankert,von DFB Präsident Theo Zwanziger klar unterstützt – ein Mindestmaß für menschliches Zusammenleben. Der Chemnitzer Bereitschaftspolizei geht das am Arsch vorbei.
Das die Antirassistischen Bemühungen des DFB im Sächsischen Landesverband ignoriert werden und allzu oft mit Argwohn bedacht werden, ist nicht nur hier unzählige mal dokumentiert worden.
Und die sächsische Polizei reiht sich hier mühelos ein. Aber damit stehen sie nicht alleine.

Wie auch beim Hallenturnier in Beilrode wurde das Banner mit dem Elefanten der sich über ein Hakenkreuz erbricht, wegen eben diesem zuerst verboten. Das das BGH derlei Praxis eine klare Absage [BGH Urteil] erteilt hat, interessiert keine_n der Beamt_innen. Sie handeln nach ihren persönlichen Ansichten und scheißen selbst auf’s Gesetz.

Wenn ein Polizeibeamter ein Banner ablehnt, weil er Antifaschismus für „zu politisch“ hält, dann fragen wir uns welcher politischen Ansichten dieser Mensch hat. Antifaschismus scheint nicht dazu zu gehören.

Nachdem also fast alle Nazis ohne entkleiden (politische T-Shirts dürfen dann nämlich doch ins Stadion) rein durften, gebührte es auch ihnen einen Böller zu zünden, Richtung Spielfeld zu werfen und ihr „Liedgut“ zu verbreiten. Als die Nazi-Gruppe (übrigens wie so oft natürlich das 1. mal bei einem Spiel in Borna laut Aussage anderer Bornaer) dann das Stadion vor Ende verlassen wollte, kam der Polizei in den Sinn, die Gruppe kontrollieren zu wollen, da sie Überraschenderweise die Lieder sogar mal registriert hatte, ein sehr seltener Fall. Den Nazis gefiel das scheinbar nicht und so kam es zu einem kurzen Handgemenge an deren Ende sich die Kameraden am Boden wieder fanden. Laut Presse wird wegen:

„des Verstoßes gegen das Sprengstoff- und gegen das Betäubungsmittelgesetz, Widerstand gegen die Polizei, Volksverhetzung und Beleidigung“ ermittelt.


Offensichtlich ist der Böller direkt aus den Reihen der „Bornafans“ geworfen worden.

Für keine Überraschung sorgt auch bei diesem Spiel, das niemand die „Lieder“ der Nazis gehört hat bis auf die Spieler und Fans des Roten Sterns und diesmal wohl auch einigen Beamten. Die Schiedsrichterin hatte wie so oft taube Ohren und vermerkte es im Spielbogen nicht. Sie steht damit in guter sächsischer Verbands-Tradition, erst vor kurzem wurde das Verfahren gegen die SG Leipzig Leutzsch eingestellt (Berichte bei Tatort Brandis 1,2,3,4,5,6,  Presse), da das Sportgericht noch „Restzweifel“ hatte und alle Verbandsbeteiligten auf blind und taub gestellt haben.

Wir sind uns ziemlich sicher, dass es trotz Polizeibericht und Angriffe auf diese, keine Konsequenzen für den Verein haben wird. Denn der Verband will so was lieber totschweigen, der Umgang mit den Ereignissen beim Spiel gegen die SG Leipzig Leutzsch belegen das ziemlich deutlich. Vielleicht sollten ja auch die Fans der SG LL beim Bau der U-Bahn in Leipzig helfen, sie wird dann bestimmt noch dieses Jahr fertig.