An dieser Stelle dokumentieren wir einen Artikel, den wir im Kiezkicker gefunden haben.

Marmor Stein und Eisen bricht…

Das der Rote Stern ein besonders liebevolles Verhältnis zur Polizei hätte, haben wohl in 12 Jahren Vereinsgeschichte nur die wenigsten so unterschrieben. Dennoch hat sich in den letzten 2 Jahren in dieser Beziehung einiges getan. Nach unserem Auswärtsspiel in Naunhof am 6.11.2011 wurde diese s Verhältnis wieder auf Anfang gesetzt.
Eine etwas andere Liebesgeschichte.

Man lernt sich kennen

Nach dem Überfall von 50 Neonazis auf uns vor 2 Jahren beim Bezirksklassespiel gegen Brandis geriet die Polizei unter Druck. An diesem Tag kam die Polizei zu einer ungewöhnlichen Gefahreneinschätzung und „sicherte“ dieses Spiel mit gerade mal meiner Handvoll Bürgerpolizisten ab. Seitdem wurden die Auswärtsspiele des RSL in der sächsischen Provinz regelmäßig von einer stattlichen Zahl von Beamten der Bereitschaftspolizei begleitet. Ganz klar: Ein zweites Brandis wollten und konnten sie sich nicht leisten, offiziell mussten die Fans des RSL von nun an beschützt werden. Auswärtserfahrungen wie Mügeln und Schildau 2010 bestätigten: Nazis freuen sich auf das Erscheinen des RSL in ihrer Homezone, die Polizei ist von nun ständiger Begleiter des RSL.

Was sich mag, das schützt sich

Nun ist auch bei uns der Staatsschutz nicht gerade ein gern gesehener Gast. Das lässt sich auch schwer verbergen. Als die Lage bei unseren Reisen im Leipziger Umland entspannter wird was Nazipräsenz angeht, entdecken der sächsische Fußballverband und die Polizei eine neue Gefahr: Die Politik. Also den Stern. Der bringt die mit. In Rucksäc… äh auf Transparenten. Oder so.
Immer mehr richtet sich Polizeiarbeit danach aus, die Stadien und Sportplätze von „jeglicher Provokation“ zu befreien. Und da die Faschos die Füße weitgehend still hielten war der neue Feind schnell gefunden. Repressalien wie das Verbot von Transparenten, übertriebene Einlasskontrollen und beginnende Aufnahmen der Langzeitdokumentation „Fanblock RSL“ sind Folgen davon, die für jede Menge Unmut beim besten Verein der Welt und seinem Anhang sorgen. In einer festen Beziehung darf solcher Unmut natürlich nicht in sich rein gefressen werden, sondern gehört geäußert. Dankbar dafür wird der „Schutz“ intensiviert. Die Beziehungskrise ist da.

Paartherapie

Mit Hilfe führender Therapeuten ist das Problem in der explosiven Beziehungskiste Polizei – RSL schnell gefunden: Die Kommunikation ist nicht gut genug. Wie fast jeder bestätigen kann Beziehungskiller Nr. 1.
Lösung soll eine neue Struktur innerhalb des RSL-Anhangs bringen, die Fanordner_Innen. Zu jedem Auswärtsspiel bringt der Sterneanhang von nun an eigene OrdnerInnen mit. Mit diesen soll die Polizei bei auftretenden Problemen zuerst sprechen, bevor Maßnahmen ergriffen werden. Umgekehrt sollen die OrdnerInnen den RSL-Stimmungsmob dazu anhalten, die Behandlung der Nazis den BeamtInnen der Bereitschaftspolizei zu überlassen anstatt das Spielfeld zu stürmen.
Das Ganze funktioniert mal mehr, mal weniger. Nicht nur einmal stellen wir fest, dass Absprachen gebrochen werden, unser Block weiterhin nach Lust und Laune abgefilmt wird, die Diskussionen um die Transparente monoton immer wieder geführt werden müssen. Auch ist des öfteren deutlich zu vernehmen, dass die Polizei nun offenbar nur noch im Namen des gastgebenden Vereins und des SFV handelt. Der RSL wird nun fast ausschließlich als Problem behandelt, auch wenn ab und an die Zusammenarbeit wie gewünscht funktioniert. Es zeigt sich, dass das Polizeiverhalten stark von der Person des jeweiligen Einsatzleiters abhängig ist. Und Gute gibt’s nicht viele.

Schlussphase

Vor der laufenden Saison rafften sich die nicht mehr ganz so frisch verliebten auf. Mehrere große Sicherheitsberatungen und Konferenzen finden statt, nicht nur der RSL und die Polizei nehmen teil, sondern alle Vereine der Bezirksliga und der SFV sind ebenfalls anwesend. Es gilt eine Basis für die Saison zu finden, die alle Beteiligten in die Lage versetzt schöne, störungsfreie Fußballspiele zu veranstalten. Bereits hier zeichnet sich allerdings ab, dass Gespräche zwischen Fußball- und Sicherheitsautoritäten und dem RSL auf Augenhöhe offenbar nicht erwünscht sind. Alle Auswärtsspiele des RSL werden zu sicherheitsrelevanten Partien erklärt.
Das schlechte Gefühl gipfelt in der Partie gegen und in Borna, als die Polizei das Hausrecht übernimmt und bekannt unter aller Sau ausführt. Zermürbende Gespräche mit den Herren der PD Westsachsen und eine Sicherheitsberatung in Naunhof später nähern sich die Hassliebenden dem Finale: Das „Sicherheitsspiel“ am 6.11.2011 gegen den SV Naunhof. Wiedermal mussten wir erleben, dass so gut wie alle Absprachen seitens der Polizei gebrochen wurden. Polizei im Block, Einlasskontrollen jenseits von Gut und Böse, ganze 3 Kameras auf unseren Block gerichtet und völlig übertriebene Personalienfeststellungen nach dem Spiel. Das alles, ohne auch nur einmal die geschaffenen Kommunikationsstrukturen zu bemühen und garniert mit einem Einsatzleiter, dem das Ganze scheiß egal war.
Es stellte sich nun die Frage, warum wir uns dermaßen den Arsch aufreißen um uns allen entspannte Auswärtsfahrten zu ermöglichen, wenn die Polizei letztendlich nur macht was sie will? Warum wir uns von einer Besprechung zur nächsten quälen, wenn die heiße Luft im Heinz viel mehr Spaß macht?
Die Antwort ist alternativlos: Wir machen Schluss.

Frustsaufen?

Schluss mit FanorderInnen, Absprachen, Schluss mit Kumpelverhalten. Zwar müssen wir weiterhin an den Sicherheitsberatungen teilnehmen, doch eine Zusammenarbeit mit der Polizei wird es bei unseren zukünftigen Auswärtsfahrten nicht mehr geben. Das wird die Polizei nicht dazu bewegen cooler zu werden. Deswegen müssen wir zusehen bei diesen Spielen wieder homogener zu agieren. Alle zusammen hin, alle zusammen rein, alle zusammen raus. Auch unsere Mannschaft muss und wird wieder sensibler darauf achten, wie ihre Fans behandelt werden und uns unterstützen. Von Frust also keine Spur, die Überstunden leistet die Polizei.

13:12, die schönste Zeit des Tages.
Forza RSL