Gestern wurden am Amtsgericht Grimma 4 weitere Brandistäter verhandelt.
Lars H., der jüngste der Angreifer die sich vor Gericht verantworten mussten, hatte sogar seine Mama mitgebracht. Diese wollte aber auch auf Nachfrage der Richterin nichts zu den „Freizeitaktivitäten“ ihres Sohnes sagen. Da war sein Rechtswanwalt Thomas schon engagierter. Dieser gehört zu einer RA Kanzlei die in rechten Kreisen sehr beliebt ist. [Gamma #189: „Rechts-Staat: Leipziger Anwälte verteidigen Nationalsozialismus“]

Lars H. verstand sich auch blendend mit seinem Mitangeklagten Benjamin R.. So hatten sie extra die alternierende Sitzordnung (Anwalt, Angeklagter,Anwalt,…) gebrochen (was die Richterin immer wieder verwirrte) und saßen einträchtig und tuschelnd nebeneinander. Mensch kennt sich halt, in Bennewitz.

Den 3. Angeklagten Toni D. wollten sie aber nicht so recht integrieren. Aber der kommt ja auch aus einem anderen Dorf.

Das Highlight auf der Anklagebank war definitiv Riccardo S. Dieser ist wohl das bekannteste Nazi-Hool-Urgestein in und um Leipzig. [Gamma #186, Seite 3: „Riccardo Sturm: Leipziger Nazi-Urgestein“]. Da er sich aber als Einziger nicht geständig zeigte, wurde sein Verfahren abgetrennt und deswegen wird er sich nächsten Donnerstag [09. Februar um 9 Uhr] in Grimma für seinen Wochenendausflug vom Jahre 2009 verantworten dürfen.
So glimpflich wie seine 3 deutlich jüngeren Sitznachbarn wird er wohl nicht wegkommen, denn die Richterin zitierte seine Anfeuerungsrufe à la „hebt die Stangen auf“. Das wird er mit einem „Es tut mir leid. Kommt nicht wieder vor. Ich habe mich mitreißen lassen“ wohl nicht aus der Welt schaffen können.

Genau das war dann auch mehr oder weniger der Wortlaut der Eingeständnisse der 3 verbliebenen Brandisschläger. Keiner wusste, wie und warum er eigentlich nach Brandis gekommen war und alle hatten sich mitreißen lassen. Dass das natürlich von vorne bis hinten gelogen war, hat dann dankenswerterweise auch der Staatsanwalt nochmals klargestellt. Dieser fand immer sehr deutliche Worte und beschrieb den Überfall als solchen und eben auch als in voller Absicht geplant und gemeinschaftlich durchgeführten Angriff.

Auch die Richterin hatte die Diskrepanz zwischen den Behauptungen, nur „mitgerissen“ worden zu sein und den Beweisfotos, auf denen die 3 Angeklagten mit Vermummung (das hat mensch im Oktober eher selten dabei) zu sehen sind, erkannt. Zu der Sonnenbrille die Benjamin R. bei dem Angriff trug, hatte sein  Anwalt dann noch eine richtig gute Erklärung:
Sein Mandant habe die Brille zum Schutz seiner Augen getragen, da diese ein paar Tage zuvor gelasert worden seien. Ein ganz klarer Fall von bio-technischer Aufrüstung bei R.! Da wurde in Bennewitz wohl zu viel Shadowrun gespielt!

Die Strafen fielen dann eher niedrig aus, was u.a. mit den Geständnissen (die den Staatsanwalt auch diesmal nicht überzeugten) und der mittlerweile  vergangenen Zeit begründet wurde.

Die Urteile:

Lars H.: Jugendstrafe 1 Jahr, 6 Monate (zu 2 Jahren Bewährung)
Toni D., Jugendstrafe 1 Jahr, 6 Monate (zu 2 Jahren Bewährung)
Benjamin R., 1 Jahr, 6 Monate (zu 2 Jahren Bewährung)