Pressemitteilung zur Demonstration am 07.04.2010 in Brandis


Am 07.04.2010, um 17.00 Uhr wird in Brandis eine antifaschistische Demonstration zum Wiederholungsspiel der Bezirksklasse FSV 1921 Brandis – Roter Stern Leipzig ´99, unter dem Motto

„WIR GEBEN KEINE RUHE!“ stattfinden.

Die Demonstration wird am Bahnhof mit einer Kundgebung beginnen und über den Brandiser Marktplatz zum Sportplatz des FSV Brandis im Dahlienweg führen. Am 24.10.2009 wurde das Bezirksklassespiel zwischen dem FSV Brandis und Roter Stern Leipzig (RSL) kurz nach Anpfiff von Neonazis überfallen. Während des Angriffs waren die RSL Anhänger_innen auf sich selbst gestellt, die zahlreichen Zuschauer_innen halfen den Angegriffenen nicht. Glücklicherweise konnten die Sterne die Neonazis zurück drängen. Bei dem Angriff wurden drei Personen schwer verletzt, mehrere Personen erlitten leichte Verletzungen.

Wenige Tage nach dem 24.10.09 verabschiedete der Brandiser Stadtrat eine Resolution unter dem Titel „Gegen Rechtsextremismus und Gewalt – Zeichen setzen: Für eine soziale, sichere und weltoffenen Stadt! (Fehler im Original). Hierin beklagt der Stadtrat nicht nur den „Rechtsextremismus“ in Brandis sondern auch das „offene Auftreten (…) linksautonomer Vandalen“. Zum Einen wird damit suggeriert, die Täter kämen nicht aus der Mitte der Gesellschaft, zum Anderen erfolgte damit das Gleichsetzen antifaschistischen Engagements mit der Ideologie der alten und neuen Nazis.

Wer sich hinter dem „Extremismusbegriff“ versteckt, verkennt die Lebensrealitäten in der Stadt

Brandis und im Leipziger Umland. Solange es nicht als problematisch empfunden wird, dass Neonazis, Rassist_innen und/oder NPDKandidat_innen in Vereinen aktiv sind, sei es als Spieler, Trainer oder Betreuer, wie im Fall des FSV Brandis, so lange es nicht problematisiert wird, auch nicht von den verantwortlichen Verbänden, dass sie auch hierüber ihre Strukturen ausbauen, ihre menschenverachtende Ideologie pflegen, Menschen angreifen, einschüchtern und jene, die sich dagegen engagieren bestraft werden, geben wir keine Ruhe!

Wir wollen öffentlich machen, wie in der „bürgerlichen Mitte“ Neonazis leben und toleriert werden, wie eine Kultur des Wegsehens und Weghörens den Nährboden für nazistische Strukturen bietet und sie zur Normalität werden lässt.

Kontakt: RSSC – Red Star Supporters Club

Ulla Fröbisch (Presseverantwortliche)

Mail to: rssc_99@web.de

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Stellungnahme der Ersten Herren (29.10.2009)

Der Verein Roter Stern Leipzig schließt sich dem Statement einvernehmlich an.

Die Ereignisse vom letzten Wochenende sind für uns immer noch kaum fassbar. Obwohl wir Sonntag, wie an jedem Wochenende, wieder auf dem Platz stehen werden um Fußball zu spielen, kann von Normalität keine Rede sein. Zu schockiert sind wir über den menschenverachtenden Überfall von Neonazis auf unsere Fans und unsere Mannschaft beim letzten Spiel in Brandis. Die vielen z.T. schwer Verletzten stimmen uns traurig und wütend!

Das kommende Spiel wird kein Zurückkehren zur Tagesordnung. Die im Gespräch gereifte Entscheidung, anzutreten, gründet sich in der Dringlichkeit, auf neonazistische Tendenzen und Übergriffe im Leipziger Fußball und überall sonst hinzuweisen und ist Ausdruck für unsere Entschlossenheit, solche Verhältnisse nicht hinnehmen zu wollen.

Wir begreifen die große öffentliche Anteilnahme und die zahlreichen Solidaritätsbekundungen, sowie der respektvolle Umgang anderer Mannschaften mit uns und unseren Fans bei vergangenen Spielen als Bestärkung unseres Selbstverständnisses.

Wir sind uns bewusst, dass das Problem solcher Übergriffe nicht nur uns betrifft, sondern in vielen Orten Sachsens und andernorts alltäglich sind und Menschen Opfer von Diskriminierung werden.

Daher begreifen wir diese Situation auch als Chance, klarzustellen, dass ein entschlossenes Entgegentreten gegenüber solchen menschenverachtenden Ideologien auch eine humanistische Verpflichtung, der Antifaschismus eine Notwendigkeit ist.

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Pressemitteilung zum Verhalten der Polizei in Brandis (25.10.2009)

Sie war anfänglich schlichtweg nicht präsent und während der Auseinandersetzung völlig überfordert… mangelhafte Berichterstattung

Pressemitteilung vom 25.10.2009

Beim Auswärtsspiel des Roten Stern Leipzig (RSL) am 24.10.2009 beim FSV Brandis wurden Spieler, Verantwortliche und Fans von etwa 50 Neonazis angegriffen. Dabei wurden 3 RSL-Fans schwer verletzt. Zu den Vorfällen und der Arbeit der eingesetzten Polizeibeamten erklärt Claudia Krobitzsch, Presseverantwortliche des Roten Stern Leipzig:

„Es muss an dieser Stelle noch einmal mit allem Nachdruck erklärt werden, dass die Polizei völlig unvorbereitet auf die stattgefundenen Ereignisse reagiert hat. Zum Zeitpunkt des Neonazi-Angriffs waren keine Beamten auf dem Sportgelände. Erst nachdem die Angreifer zusehends in die Defensive geraten waren, sah man ungefähr 8 Beamte auf dem Sportplatz, die gemeinsam mit den Fans des RSL versuchten, die Lage zu deeskalieren. Somit hat die Polizei weder die Neonazis von den Fußballzuschauern getrennt, noch den Angriff verhindert oder das Stadion geräumt. Sie war anfänglich schlichtweg nicht präsent und während der Auseinandersetzung völlig überfordert.

Zudem entspricht die von der Polizei getroffene Aussage, dass der Torhüter des RSL verletzt sei, in keinster Weise den Tatsachen. Dies ist ein weiteres Indiz dafür, dass die Berichterstattung der Polizei mangelhaft ist.

Erst nach einer halben Stunde trafen weitere Polizeibeamte am Ort des Geschehens ein. Die Neonazis hatten sich zu diesem Zeitpunkt längst vom Sportplatz entfernt.

Wenn es zu Angriffen auf Beamte gekommen sein soll, dann sind diese nicht von RSL-Fans ausgegangen, da diese über die spärlich eingesetzten Polizeikräfte eher froh waren.“

Der Verein Roter Stern Leipzig ´99 e.V. hofft, dass die polizeilichen Ermittlungen zum Ergreifen der betreffenden Neonazis beitragen werden.

Roter Stern Leipzig ´99 e.V.

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Nazi-Überfall bei Auswärtsspiel in Brandis (24.10.2009)

Etwa 50 Nazis haben Fans und Mannschaft des RSL beim Auswärtsspiel in Brandis angegriffen! Massenschlägerei auf dem Spielfeld. Mehrere verletzte, teils schwer. Brandis-Ordner Mitangreifer.

Pressemitteilung vom 24.10.2009

Beim Auswärtsspiel des Roten Stern Leipzig (RSL) am 24.10.2009 beim FSV Brandis kam es zu einem gewalttätigen Angriff von ca. 50 Personen gegenüber den Spielern, Verantwortlichen und Fans des RSL. Die Angreifer sind dem neonazistischen Spektrum zuzuordnen.

Auf Nachfrage schilderten Verantwortliche des FSV Brandis und eingesetzte Polizisten, dass sie bereits im Vorfeld Erkenntnisse hatten, dass Nazis zum Spiel anreisen wollten. Dennoch konnten die Vereinsordner und die wenigen anwesenden Polizisten nicht die Sicherheit gewährleisten. Im Vorfeld der Partie stattgefundene Gespräche zwischen dem FSV Brandis und der Polizei führten nicht zu einer Aufstockung der Einsatzkräfte.

Kurz vor Spielbeginn wurden Fans des RSL durch Lautsprecherdurchsagen gebeten, eine Seite des Sportplatzes zu räumen, weil „die Dummen noch kommen“. Auffällig ist in diesem Zusammenhang, dass ein Brandiser Ordner der angreifenden Personengruppe einen separaten Eingang öffnete, sich daraufhin vermummte und an den Auseinandersetzungen auf Seiten der Nazis teilnahm.

Nach dem unkontrollierten Betreten des Sportplatzes bewaffneten sich die Angreifenden mit Eisenstangen, Steinen und Holzlatten, die auf dem Sportplatz deponiert waren. Dieser Umstand lässt auf einen geplanten Angriff schließen.

Für eine vorzeitige Planung der Aktion spricht zusätzlich die Teilnahme von einschlägig bekannten Neonazi-Aktivisten. Die politische Motivation des Angriffes ist durch die Rufe der Angreifer „Scheiß Zecken“ und „Scheiß Rote“ belegt.

Mit Anpfiff des Spiels warfen die zum Teil vermummten Personen pyrotechnische Erzeugnisse, Steine und zusätzlich eine Flasche, die mutmaßlich mit einer brennbaren Flüssigkeit gefüllt war, in die Reihen der RSL-ZuschauerInnen.

Daraufhin kam es zu Jagdszenen, sofort wurden wahllos die Fans des Roten Sterns mit den bereitgestellten Gegenständen angegriffen. Die Fans wichen zurück, wurden aber durch die baulichen Gegebenheiten des Sportplatzes in die Enge gedrängt. Man musste sich bis zum Eintreffen der Polizei selbst schützen und erwehrte sich den Angriffen. Im Zuge der Angriffe wurden drei Personen schwer, und weitere Personen verletzt. Zur Zeit werden die Schwerverletzten in Krankenhäusern behandelt.

Durch den Neonaziangriff wurde die Partie nach zwei Minuten abgebrochen.

Trotz der Erkenntnisse waren unverständlicher Weise nur wenige Polizeibeamte vor Ort. Erst nach einer halben Stunde kamen weitere Beamte zum Ort des Geschehens.

Die angreifenden Neonazis zogen sich nach ihrem Angriff in den Ort zurück. Bereits bei Ankunft in Brandis konnten mehrere Neonazis vor einem Lokal auf dem Marktplatz ausgemacht werden.

Wir gehen davon aus, dass die Polizei die zahlreichen Hinweise über den Aufenthaltsort der Angreifer im Nachgang der Geschehnisse zum Anlass genommen hat, um die Identitäten festzustellen. Weiterhin erhoffen wir uns, dass – wie auf Nachfrage bestätigt-, die Vereinsverantwortlichen von Brandis, die ihnen bekannten Personen aus der angreifenden Gruppe identifizieren. Wir fragen uns, warum weder Polizei noch der platzbauende Verein für die Sicherheit während der Partie Sorge tragen konnten.

Spendenkonto „Brandis“ – Roter Stern Leipzig 99 e.V. /Knr 1100431752 /Blz 86055592

Roter Stern Leipzig ´99 e.V.